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Nikos verrät: Talent, Kreativität sowie Leidenschaft zählen und machen ein gelungenes Barfeeling aus.

 

Was sind Sie: Barkeeper oder Bartender?

Nikos: Für meine Gäste bin ich Barmann, Bartender, Barmixer oder Barkeeper. Bezeichnet werde ich also ganz unterschiedlich.

Aber für mich ist es eine klare Sache: Ich bin Barkeeper. Denn das bedeutet, dass ich auch Inhaber oder Besitzer einer Bar bin. Der Bartender ist ein Barmixer im Angestelltenverhältnis. Doch Berufsbezeichnungen hin oder her – für den Gast kommt es auf das Können, Fachwissen und die soziale Kompetenz seines Ansprechpartners an und weniger auf die korrekte Anrede.

Für mich heißt das: Leidenschaft, Talent und Kreativität sind in diesem Metier der Schlüssel zur Professionalität.

 

Was macht für Sie einen richtig guten Cocktail aus?

Nikos: Weder der Alkoholgehalt noch die Menge der Flüssigkeit sind in einem Cocktail wichtig, sondern seine Ausgewogenheit und die Harmonie der einzelen Zutaten, um dem Gast ein besonderes Geschmackserlebnis sowie auch etwas Schönes fürs Auge bieten zu können. Ein Cocktail wird in den seltensten Fällen durch zu viele Zutaten besser. Oberstes Gebot ist Qualität statt Quantität. Hinzu kommt das Wissen um Wirkung und „Stunde" eines Cocktails. Viele Cocktails kann man einer „Drinkgruppe" zuordnen, die aussagt, für welche Tageszeit und Gelegenheit sie sich am besten eignen. Für jeden Anlass gibt es einen passenden Cocktail. Er hat viele Fähigkeiten, kann den Appetit als auch den Geist anregen oder ein Essen abschließen, erfrischen und beleben. Der Genussfaktor spielt eine große Rolle; man darf nie vergessen: Es handelt sich um ein kultiviertes Trinken, das Spaß und Lebensfreude vermittelt und ein wenig Urlaub vom Alltag bietet.

 

Darf ein Barkeeper neben den vorgegebenen Rezepten den Cocktails seine eigene Note geben?

Nikos: Selbstverständlich, das macht einen guten Barkeeper sogar aus! Als Profi muss man natürlich alle Rezepturen der gängigen Cocktail-Klassiker beherrschen, aber sollte sich gleichzeitig die Freiheit bewahren, eigene Kreationen zu entwickeln, sich von neuen Ideen inspirieren zu lassen und fantasievoll umzusetzen. Man kann mit neuen Zutaten experiementieren, die Deko variieren und so völlig neue Trends setzen. Die Gäste wissen es sehr zu schätzen, wenn ich auf ihre Wünsche eingehe und ihnen etwa eine spezielle Drink-Kreationen mixe. Erfahrene Barkeeper können die Harmonie eines Cocktails aufgrund der Zusammenstellung der Zutaten beurteilen, ohne den Drink je probiert zu haben.

 

Was macht eine Bar zum beliebten Treffpunkt?

Nikos: Eine gut eingespielte Bar-Crew, Teamgeist und der Servicegedanke sind Grundvoraussetzungen, um eine entspannte Baratmosphäre schaffen zu können. Eine gut sortierte Bar, angefangen bei einer großen Auswahl an qualitativ hochwertigen Spirituosen, über Säfte, Garnituren, bis hin zu Gewürzen und Aromaten, runden das Gesamtbild ab.

 

Was für Fähigkeiten muss ein guter Baarkeeper noch mitbringen?

Nikos: Eine Bar hat eine soziale und kulturelle Aufgabe. Das Wohl der Gäste steht an erster Stelle und ein gewisses Maß an Diplomatie ist in diesem Beruf unabdingbar. Dem Gast zuhören zu können und auf ihn einzugehen ist für den Beruf ebenso wichtig wie das fachliche Können. Ein Barkeeper muss für die angenehmen Gäste ein exzellenter Gastgeber, für die schwierigen ein Dompteur und für die traurigen ein Therapeut sein.

 

Wie schaffen Sie die Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz?

Nikos: Ein guter Barkeeper überzeugt unter anderem mit charmanter Fröhlichkeit, einem Lächeln und Blickkontakt. Er geht auf seine Gäste ein. Das kann natürlich von weiblichen Gästen auch mal falsch interpretiert werden. Wenn ich mich an meine Tätigkeit in den Touristenbars Griechenlands erinnere, dann kann ich bestätigen, dass der Flirtfaktor aufgrund der Urlaubsstimmung sowie der gelockerten Atmosphäre steigt. Ich bin mir sicher, dass jeder Barkeeper schon mit diesen Situationen konfrontiert war. Sei es gewollt oder ungewollt. Ich denke aber auch, dass Außenstehende dies manchmal überschätzen. Die typische Bar-Atmosphäre wird eben durch verbale sowie nonverbale Kommunikation und Interaktion zwischen Barpersonal und Gästen geschaffen. Meine langjähre Erfahrung im Barbereich hat mich allerdings auch gelehrt, dass ein professioneller Barkeeper immer eine gewisse Distanz seinen Gästen gegenüber wahren und gesetzte Grenzen nicht überschreiten sollte.

 

Gibt es unter allen Cocktails für Sie einen persönlichen Favoriten?

Nikos: Nein. Geschmäcker sind verschieden. Perfektion liegt immer im Auge des Betrachters und ist abhängig vom jeweiligen Anlass. Um einen guten und qualitativ hochwertigen Cocktail zu mixen, gibt es viele Faktoren, die stimmen sollten. Allerdings können die meisten Cocktails in drei Hauptbestandteile eingeteilt werden: Die „Basis" bestimmt die Cocktailrichtung und macht den größten Anteil aus. Der „Modifier" indes lenkt die Richtung des Cocktails und besteht häufig aus mit Wein versetzten Spirituosen, Säften, Wasser und Sodas. Der „Flavouring Part" rundet den Cocktail geschmacklich und in der Farbe ab. Hält man sich also im Wesentlichen an diese Faustregel, so kann man sich eines gelungenen Cocktails sicher sein.

 

Welche Trends sehen Sie?

Nikos: Es gibt immer wieder neue Trends, die vorwiegend in den USA und den europäischen Metropolen gesetzt werden. Hierbei spielen oft bisher unbekannte oder noch nicht im Getränkesegment verwendete Zutaten eine große Rolle. Trotz allem werden Klassiker weltweit am häufigsten getrunken. Im Hegau-Bodensee-Raum wird die Geschmacksrichtung fruchtig-frisch am meisten nachgefragt. Viele meiner neuen Kreationen beschäftigen sich deshalb genau mit diesem Thema. Welche Geschmacksrichtung gerade in ist, ist immer auch stimmungsabhängig: Je nach Jahreszeit sind die sogenannten Sours, Fizzes und Hot Drinks sehr gefragt. Nicht zu vergessen sind die alkoholfreien Cocktails in verschiedenen Geschmacksrichtungen, die sich ebenfalls immer größerer Beliebtheit erfreuen. Auch da gibt es viele spannende Kreationen, die jeder einmal probiert haben sollte.